Ein arbeitsreicher Tag in Chile

30.07.2018, Valparaiso, Chile

Heute war der große Tag an dem ich mein Motorrad bekommen habe.

Weil ich nicht wusste was mich erwartet und wegen der Ungewissheit, ob die Honda die Reise gut überstanden  hat, habe ich schon um kurz nach 08:00 Uhr am Hafen gestanden.

Obwohl sich mein Spanisch auf „Una cerveza por favor“ beschränkt, konnte ich am Info-Schalter des Hafens schnell in Erfahrung bringen, wo mein Motorrad ist und welche Dokumente ich benötige um es in Empfang zu nehmen.

Der erste Weg führte zur Hafenbehörde. Dort wurde geprüft ob ich der rechtmäßige Besitzer bin, mich rechtmäßig im Land aufhalte, die Fahrzeugdaten erfasst und die temporäre Einfuhr in die Papiere gestempelt. Zu meiner Überraschung musste ich in diesem Amt keine Minute warten und keinen Peso bezahlen und es fand sich sogar ein Mitarbeiter der englisch konnte, was die Sache deutlich erleichtert hat. Nach knapp 20 Minuten war alles erledigt. Er war dann sogar so freundlich „meinen“ Taxifahrer Gregorio mit seinem privaten Handy anzurufen und ihm zu sagen, dass er mich am Hotel abholen soll. Da Gregorio kein Wort Englisch kann und auch kein WhatsApp hat, komme ich bei ihm mit meiner Übersetzungsapp nicht weit, wenn er nicht gerade neben mir sitzt.

Mit schon fast erschreckender Pünktlichkeit war Gregorio wie vereinbart 10 Minuten später am Hotel und hat mich zur Spedition gefahren, wo mein Motorrad mittlerweile stand.

Auch hier fand sich eine freundliche Mitarbeiterin die Englisch konnte. In den nächsten Stunden hat sie mit Rat und Tat zur Seite gestanden und mich immer direkt dran genommen, obwohl an ihrem Schalter ein jede Menge Lkw Fahrer angestanden habe, die alle eine Nummer ziehen musste und mit Sicherheit nicht so viel Zeit wie ich hatten.

Ihre erste Amtshandlung war mir Sicherheitsschuhe, eine Warnweste und einen Helm zu verpassen. Sicherheitsvorschrift im Lager. Dann führte mich Paulo ins Lager, wo wir die Kiste mit meinem Motorrad dank der auffälligen Beschriftung schnell gefunden hatten.
Chile, Valparaiso

Die Geschwindigkeit mit der der Gabelstaplerfahrer die Kiste zu uns gebracht hatte lies mir wieder ein graues Haar mehr wachsen. Das dies nicht immer ohne Spuren von Statten geht konnte ich an meiner Kiste sehen, ein Standbein war abgebrochen und außen ein paar heftige Kratzer im Holz. Meine Freude jetzt gleich mein Motorrad auspacken zu können hielt nur kurz an, ohne die Dame der Aduana (Zoll) durfte ich nicht die Kiste öffnen. Dank Paulo war die Dame in dem riesigen Lager schnell gefunden und auch meine Papiere hat sie gleich an sich genommen und ihr baldiges Erscheinen angekündigt. Nach weit über einer Stunde Wartezeit war die Fräulein Aduana aber noch nicht erschienen, dafür teilte mir Paulo mit, dass jetzt Mittagspause sei. Von 12:30 bis 14:00 Uhr!! Nachdem Fräulein Aduana bis 15:00 Uhr noch nicht da war konnte ich Paulo überreden sie suchen zu gehen. Kurze Zeit später kam er zurück und teilte mir mit, dass er vom Zoll die Erlaubnis bekommen hätte die Kiste schon öffnen zu dürfen, der Beamte käme auch gleich. DER Beamte? Ja richtig gehört, Fräulein Aduana hatte schon Feierabend, ihr Kollege war zum Glück zuverlässiger und kam dann kurz nachdem wir die Kiste geöffnet hatten. Ein kurzer Blick in den Tankrucksack und die Tasche mit meinem Motorradanzug und das war es schon. Jetzt hieß es Batterie anschließen, Windschutzschutzscheibe montieren und Gepäck verzurren. Paulo, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatte als mit mir zusammen neben der Kiste zu sitzen und auf den Zoll zu warten, war sichtlich froh mir helfen zu können und so war alles schneller erledigt. Über die 2000 Peso Trinkgeld hat er sich gefreut wie ein Schneekönig.

Die ganze Freude über das Wiedersehen mit meinem Motorrad hat dann aber doch noch einen Dämpfer bekommen. Entgegen der Aussage meines Spediteurs in Deutschland, dass alle Kosten von ihm beglichen wurden, musste ich noch 600 USD für die Einlagerung der Kiste für die Dauer von 5 Tagen bezahlen. Naja dafür gab es heute Abend nur ein Cerveza.

Die Freude, dass mein Motorrad die Reise ohne jegliche Schäden überstanden hat musste natürlich gleich mit einer kleinen Stadtrundfahrt gefeiert werden. Der Weg führte mich dann auch zu Martina und Enzo, zwei deutsche Aussteiger die seit 1992 in Valparaiso leben und in ihrer Villakunterbund Motorradreisende beherbergen. Die Beiden sind so freundlich, dass ich meine Ersatzreifen, die Bodenplatte der Kiste und meinen Koffer bei Ihnen zwischenlagern kann, das Gastgeschenk viel natürlich entsprechend groß aus und so hat Martina jetzt in paar neue Birkenstock Schuhe.

Die nächsten Tage werde ich erst einmal von Valparaiso ein paar kleinere Ausflüge ohne Gepäck unternehmen um ein Gefühl für das Land zu bekommen.

Die Bilder des Tages gibts in der folgenden Flickr Galerie, einfach auf das Foto klicken.

Kilometerstand der Africa Twin: 41237km

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