Flucht aus Bolivien – Ein Abenteuer auf zwei Rädern

Das die Ausreise nicht leicht werden würde war klar, immerhin war mein Motorrad seit dem 11.01.2019 illegal im Land. Nach meinem Unfall war es mir nicht gelungen die Aufenthaltsgenehmigung für das Motorrad ein drittes mal zu verlängern.

Als gesetzestreuer Bürger fuhr ich am 06.11.19 zum Grenzübergang Ollagüe. Zuerst ging es für mich zur Ausreise, was erwartungsgemäß kein Problem darstellte. Nach zwei Minten hatte ich den Stempel im Pass. Jetzt ging es zur Aduana, dem Zoll. Hier hatte ich mein Motorrad bei meiner ersten Einreise ordnungsgemäß angemeldet und auch eine Verlängerung erwirkt, leider war diese schon vor 10 Monaten abgelaufen.

Aduana am Grenzübergang Ollague

Selbstverständlich hat der Zöllner auf den ersten Blick gemerkt, dass die Einreisegenehmigung für das Motorrad abgelaufen war. Ich schiebe einen Brief hinter her, indem auf spanisch meine Situation erklärt wird. Unfall, Ausreise, Krankenhaus, lange Genesungszeit etc. Es folgt eine längere Diskussion unter den Zollbeamten die ich nicht verstehe, da die Unterhaltung auf spanisch geführt wird. Dann fordert mich ein Zollbeamter auf mit ihm hinaus zu gehen. Ich bin kurzzeitig optimistisch, ist es doch die normale Vorgehensweise, dass überprüft wird ob Fahrzeug und Papiere zusammen passen. Es folgt jedoch die Sicherstellung meines Fahrzeugschlüssels. Ein erstes ungutes Gefühl macht sich in mir breit. Ich nutze einen unbeobachteten Moment, nehme einen 5er Inbus aus meinem Tankrucksack, schraube die kleine Werkzeugbox an der Seite meines Motorrades ab und entnehme schnell den Ersatzschlüssel den ich darin aufbewahrt hatte.

Es folgen Stunden der Diskussion, mit dem Ergebnis, dass man unzählige Dokumente von mir verlangt. Bescheinigungen von Krankenhaus, Therapie, Versicherung etc. als Beleg dafür, dass ich das Motorrad tatsächlich bis jetzt nicht ausführen konnte. Es dauert zwar lange, aber ich schaffe es tatsächlich die geforderten Dokumente vorzuzeigen.

Plötzlich aber will man nichts mehr davon wissen, dass man mich zuvor noch nach Vorlage der Dokumente ausreisen lassen wollte.

Das Motorrad sollte jetzt plötzlich sichergestellt werden!!!

Zwei Beamte beginnen das Gepäck von meiner Afica Twin zu schnallen. Ich widerspreche der Maßnahme energisch und gebe zu bedenken, dass man mich nicht ohne Wasser, ohne Essen, ohne Übernachtungsmöglichkeit hier an diesem gottverlassenen Grenzübergang mitten in der Wüste zurücklassen kann. Die Beiden Beamten zeigen Einsicht, gehen in das Gebäude und sprechen mit ihrem Chef. Ich folge, gehe zum Chef ins Büro und trage auch ihm nochmal vor, dass ich nicht damit einverstanden bin. Er zeigt sich uneinsichtig. Ich müsse in das ca. 430km entfernte Potosi, zu dortigen Zolldienststelle und dort mein Anliegen der Ausreise vortragen. Ohne mein Motorrad, dies müsse hier bleiben. Auch mit Bestechung versuche ich es erfolglos. Ich denke die Aussichten das knapp 10.000€ wertvolle Motorrad zu bekommen sind verlockender als ein paar Dollars oder Bolivianos.

Ich verlange, dass er mir seinen Namen, Anschrift der Dienststelle, die Vorgangsnummer und ein Sicherstellungsprotokoll für mein Motorrad aushändigt. Weiter verlange ich ein Telefonat mit der deutschen Botschaft in La Paz. Er verweigert mir all dies, geht raus zu meinem Motorrad und fordert seine Beamten erneut auf das Gepäck vom Motorrad zu entfernen und das Krad in das Zolllager zu bringen.

In diesem Moment wird mir klar, die Sache stinkt zum Himmel! Der Mann für den, wenn es um meine Ausreise geht, Dokumente heilig sind, verweigert mir plötzlich jeglichen Nachweis über den Verbleib meines Motorrades.

Ich bin in diesem Moment kurz alleine in seinem Büro und greife mir meinen Reisepass, der auf seinem Schreibtisch liegt und gehe dann raus zu meinem Motorrad, wo man gerade wieder dabei ist die Gepäckrollen zu lösen.

Ich fange wieder an mit den Beiden Zöllnern zu diskutieren, verlange auch von ihnen Dokumente. Schon vorher habe ich gemerkt, dass die beiden Mitleid mit mir haben, selbst nicht damit einverstanden sind was hier passiert. Einer möchte mir etwas sagen, ich verstehe nicht was. Ich gebe ihm mein Handy und er tippt in die Übersetzung-App… es dauert ewig bis das langsame Internet es übersetzt. Dann steht da plötzlich im Display: „Ich habe gesehen das du einen zweiten Schlüssel hast. Hau ab!“ Ich frage: „Chile?“ Er sagt: „No, no“ , dreht sich um und geht. Mein Puls steigt, fragend wende ich mich an die Zöllnerin die auch noch dabei steht, sie spricht irgendetwas in spanisch und unvorstellbarer Geschwindigkeit, zeigt mit der Hand in Richtung Bolivien und sagt: „Salar, Salar“ und geht dann ebenfalls.

Ich gehe zwei mal um das Motorrad, halt inne, gehe nochmal um das Motorrad und beginne das Gepäck wieder festzuschnallen, ziehe meine Jacke und den Helm an, setze mich auf das Motorrad. Ich verharre in dieser Position und gehe alle Fakten durch. Ich bin ausgestempelt, das Motorrad ist sowieso illegal. Möglichkeiten über die grüne Grenze raus zu kommen gibt es zu genüge. Die Entscheidung ist gefallen, ich nehme den Schlüssel aus der Tasche, stecke ihn ins Zündschloss. Plötzlich geht die Tür vom Zollamt auf, die Dame vom Agrar-Amt, welche das Drama den ganzen Tag beobachtet hatte, kommt heraus. Sie schaut mich an, ich schaue sie an, sie nickt und geht weiter.

Ich drehe den Zündschlüssel um, die Africa Twin springt zum Glück direkt an. Ich mache einen U-Turn und fahre vollgas wieder in Richtung Bolivien.

Ich rase mit 130km/h über eine Schotterpiste, nach ein paar Kilometern merke ich das es ist die falsche Richtung ist. Ich fahre gerade mitten ins Nichts, egal ein zurück gibts jetzt nicht mehr. Nach ca. 10km verliere ich eine Gepäckrolle die ich nicht richtig verzurrt hatte. Mein Schlafsack ist in der Gepäckrolle. Ich kann also nicht weiter fahren, immerhin werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo draußen schlafen müssen, die Sonne steht schon tief und ich bin mitten im Nirgendwo. Als ich drehe ist so weit ich sehen kann keine Staubfahne zu sehen, es folgt mir also niemand. Ich verzurre die Gepäckrolle, trinke einen Schluck Wasser und fahre in normalem Tempo weiter. Vorher schalte ich noch meinen Garmin InReach Notfallsender aus. Die Webadresse meines Blogs steht riesig auf meinem Motorrad und über den Blog kann man meinen Live-Standort verfolgen und wer weiß ob die Zöllner so clever sind oder nicht?

Beispielfoto.

100km später komme ich in das kleine Bergdorf Julaca. Dort erblicke ich einen kleinen Dorfladen, ich halte an und frage nach Benzin. Die Frau führt mich ein paar Häuser weiter, dort soll es Benzin geben. Leider ist niemand zuhause. Ich frage nach einer Unterkunft. Sie bietet mir für 50Bs an auf dem Fußboden im Geschäft zu schlafen. Ich nehme dankend an und bekomme sogar noch ein warmes Abendessen. Kaum bin ich eingeschlafen höre ich, dass ein Fahrzeug vorfährt. Der Puls steigt erneut, ich stehe auf schaue aus dem Fenster. Ein Pickup steht direkt vor dem Laden und ein Mann kommt zu Tür. Er klopft, ich verhalte mich still. Dann kommt aber die Ladenbesitzerin und öffnet ihm. Es ist ein Minenarbeiter der nur Bier will. Ich beruhige mich wieder und schlafe tatsächlich die restliche Nacht tief und fest.

Dorfladen in Julaca in dem ich die Nacht verbracht habe.

Mit Sonnenaufgang verlasse ich Julace auf der Ruta Nacional 5 in Richtung Westen. Laut GoogleMaps führt die Straße direkt nach Chile und Grenzposten sind auf dem Satellitenbild nicht zu erkennen. In San Juan bekomme ich bei einem Bauern Benzin. Der Tank ist voll, eine Sorge weniger.

Plötzlich stehe ich vor einem Weidezaun. Ich blicke auf die Karte, ja die Ruta 5 geht tatsächlich inter dem Zaun weiter. Ich öffne den Zaun und fahre weiter. Die Straße geht immer steiler den Berg hinauf. Aus einer guten Schotterpiste wird ein üble Holperpiste, aus einer üblen Holperpiste wird eine stark ausgewaschene üble Holperpiste. Ich reguliere die Traktionskontrolle runter und fahre weiter, es kann nicht mehr weit sein bis Chile. Aus der ausgewaschenen, üblen Holperpiste geht über ein ein Geröllfeld. Ich fahre mich fest.

Ich steige ab, ziehe Helm und Jacke aus, setze mich auf den Boden und verschnaufe. Weiter geht es auf keinen Fall. Ich muss zurück, aber wie? Die ca. 350kg schwere Africa Twin steht zwischen Steinen so groß wie Fußbälle. Rechts hat es eine ca. 30cm tiefe Rinne, nicht viel aber zu viel um den Fuß auf den Boden zu bekommen. Ich schnalle das ganze Gepäck ab und räume die Koffer aus. Jetzt heißt es immer und immer wieder, kurzer Gasstoß dann den Bewegungsimpuls nach hinten umlenken und das Motorrad Centimeter für Centimeter rückwärts schieben. Es dauert eine gute Stunde bis der Weg es zulässt, dass ich das Motorrad drehen kann.

Nachdem ich das Gepäck wieder verladen habe fahre ich zurück bis San Juan, kaufe dort nochmals Sprit bei dem Bauern und fahre weiter nach San Cristobal. Hier hat es ein Hotel in dem ich letztes Jahr geschlafen habe. Leider wird es gerade renoviert und die Option hier die Nacht zu verbringen ist damit vom Tisch. Ich nutze das gute Handynetz in San Cristobal um mit meinen Freunden in Uyuni und der deutschen Botschft in La Paz zu telefonieren. Nach den Telefonaten steht fest, mein Bauchgefühl war richtig. Der Zöllner hätte mir die Sicherstellung quittieren müssen, hätte mir ein Telefonat mit der Botschaft ermöglichen müssen.

Die Botschaft kann mir keine kurzfristige Hilfe anbieten und macht mich aufgrund der angespannten politischen Situation keine Aussichten auf eine schnelle Lösung. Bolivien hat momentan andere Sorgen als mein Motorrad. Nach Beendigung des offiziellen Gesprächs mit der Mitarbeiterin der Botschaft, teilt sie mir noch ihre persönliche Meinung mit. Diese ist mit meiner identisch und lautet „Lagunen Route“.

Straße bei Villa Mar

Ich fahre also weiter bis Villa Mar, ein kleines Kaff mitten in der Wüste und Ausgangspunkt für viele Touristen die die Lagunen Route bereisen. Von den 70km bis Villa Mar sind ca. 40km Tiefsand. Daher bin ich froh, dass in dem kleinen „Hotel“ dort noch ein Zimmer frei ist und ich sogar noch was zu essen bekomme. Ich kaufe Sprit, checke das Motorrad (ein paar Schrauben waren schon locker) und lege mich schlafen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen breche ich auf. Mein Tagesziel, Laguna Colorada oder Termas de Polques, je nachdem wie ich durchkomme. Der Zustand der Lagunen Route ist aber wider erwarten sehr gut, kein Vergleich zu letztem Jahr. Streckenabschnitte die ich letztes Jahr in Schrittgeschwindigkeit „gefahren“ bin kann ich nun mit 80-100km/h befahren. Ich erreiche die Termas de Polques schon um 11:00 Uhr und mache ein Pause. Zeitlich noch bis zur Grenze zu kommen ist kein Problem, aber ich werde dort zu einer Zeit ankommen zu der aller Wahrscheinlichkeit außer mir niemand sonst dort ist. Ich habe mehr als genug Wasser, essen und Sprit und entscheide noch in Richtung Grenze zu fahren. Zur Not kann ich sogar nochmal zurück bis zu den Termas de Polques.

Laguna Colorada
Auf dem Weg Richtung Nationalparkverwaltung

In der Ferne erblicke ich das Gebäude der Nationalparkverwaltung welches an der Laguna Blanca, einige Kilometer vor dem eigentlichen Grenzposten liegt. Plötzlich fällt mir ein, dass mir ein bekannter kürzlich gesagt hat, dass der Zoll jetzt „unten“ ist und nicht mehr an einer Mine mitten in der Wüste, wo ich letztes Jahr eingestempelt hatte. Ich halte also ca. 5km vor der Nationalparkverwaltung hinter einem Sandhügel an, setzte mich auf den Hügel und beobachte das Treiben an den Gebäuden. Nichts, keinerlei Bewegung. Ich warte. Plötzlich bewegt sich etwas von den Gebäuden in meine Richtung weg. Ich mache ein Foto, zoome hinein und erkenne es sind zwei Motorräder. Es erscheint mir wie ein Sechser im Lotto, den ich weiß von ihnen werde ich alle Informationen bekommen die ich brauche. Eine gefühlte Ewigkeit später erreichen mich die beiden Motorradfahrer, es sind zwei Brasilianer auf BMW 800 und 1200 GS Adventure, welche sich sichtlich schwer tun mit dem sandigen Boden. Sie bestätigen meine Befürchtung, der Zoll ist jetzt dort unten und es ist nichts los.

Nationalparkverwalung & Aduana auf der Lagunenroute aus ca. 5km Entfernung
Maximaler Digitalzoom auf den Zollposten in der Wüste

Ich überlege ob ich es riskieren soll einfach durchzufahren. Es gibt keine Schranke und die Zöllner werden sicherlich nicht draußen in der Hitze stehen. Es würde also funktionieren. Sehen sie mich, ist die Wahrscheinlichkeit aber groß, dass die Schranke an der Grenze einige Kilometer später zu sein wird. Eine Alternative muss her. Option eins, hier oben zelten und morgen durchfahren wenn duzende Touristen dort sind, das fällt weniger auf, ein Restrisiko besteht trotzdem. Option 2, Kartenstudium nach alternativen Routen. Und tatsächlich auf der Karte meines Garmin ist ein östliche Umfahrung eingezeichnet, einmal um den Berg Cerro Sandoncito herum komme ich zwischen Zoll und Grenzposten heraus. Kurz noch den Kartenmaßstab ins Auge genommen, ja es passt, ist nicht so weit. Ich fahre los.

Ich muss ca. 3km zurück bis zur Kreuzung wo die Umfahrung beginnt. Ich überhole die beiden Brasilianer und muss schmunzeln, da ich sie ja kurz vorher nach dem Zoll gefragt hatte und jetzt zügig in die andere Richtung unterwegs bin. Was die wohl denken? Ich biege ab und freue mich vor mir einen guten Weg zu erblicken. Das wird ein leichtes Ding. Der Weg wird aber mit jedem Kilometer sandiger und als ich den Cerro Sandoncito rechts liegen gelassen habe erstreckt sich vor mir ein riesiges Sandfeld, von Weg keine Spur mehr. Unter anderen Umständen hätte ich mich an der beeindruckend schönen Landschaft erfreuen können. Ich halte an, überprüfe meine Postion. Ich bin noch richtig, aber bis zu der Kreuzung an der es zurück Richtung Grenze geht ist es noch weit. Der Sand wird immer weicher und tiefer. Kein Risiko Markus! Also mache ich langsam, aber ich merke schnell das langsam nicht funktioniert, die schwere Africa Twin beginnt sich einzugraben. Schnell die Traktionskontrolle ganz ausgeschaltet, einen Gang runter und Vollgas. Gerade so schaffe ich es wieder Tempo aufzunehmen. 30km/h, das Motorrad schlingert wie wild, 40km/h, das Motorrad schlingert noch immer, 50km/h das Motorrad pendelt, ich kann die Richtung nicht halten, 60km/h langsam stabilisiert sich die Fuhre, aber es fühlt sich schrecklich an, 70km/h es fährt aber es ist noch immer schwer die Richtung zu halten, 80km/h funktionieren super. Allerdings sind 80km/h auf weit über 4000m Höhe und im tiefen Sand absolut Vollgas. Ich habe den Cerro Sandocito mittlerweile umfahren und bin auf seiner südlichen Seite in Richtung Grenze unterwegs, als ich vor mir eine Herde Vicunias erblicke. Der Boden ist gerade recht steinig und ich beschließe ein Foto zu machen. Die Vicunas, die Berge, die Wüste, was ein Motiv. Der Boden ist weicher als erwartet und so kippt mir das Motorrad beim anhalten um. Mist! Kein Problem denke ich, doch beim Versuch das Motorrad aufzurichten drücke ich nur den Sand unter meinen Stiefeln weg. Sollten mir etwa schon wieder ein Vicuna zum Verhängnis geworden sein? Beim dritten Versuch gelingt es mir das Motorrad aufzurichten. Ich scharre noch kurz mit den Stiefeln die kleinen Sandhaufen vor den Reifen weg und setze mich wieder auf das Motorrad. Erstaunlicherweise kann ich ohne große Probleme anfahren und mich wieder langsam auf die 80km/h einpendeln. Plötzlich sehe ich weit voraus eine lange Steigung. Ich halte erneut an und prüfe meine Postion via GPS. Ich bin zwar nicht genau auf der eingezeichneten Route aber die grobe Richtung stimmt. Ich habe Zweifel ob die Traktion ausreicht um die Steigung zu bewältigen. Der Blick auf die Karte zeigt aber auch, dass ich schon mindestens 3/4 der Strecke geschafft habe. Ich entscheide mich es zu probieren, wenn es nicht geht kann ich noch immer umdrehen. Runter geht immer. Bevor es in die Steigung geht schaffe ich es das Motorrad auf etwas über 100km/h zu beschleunigen. In der Steigung fällt die Geschwindigkeit ab, ich muss immer mal wieder zurück schalten um auch noch das letzte aus dem Motorrad herauszuholen. Ich schaffe es tatsächlich die Steigung zu meistern und erblicke oben auch direkt einen Weg. Auf dem Weg angekommen halte ich erneut an, prüfe wieder meine Postion mit dem GPS Gerät. Ich bin Richtig, der Zoll hinter mir die Grenze voraus. Kurze Zeit später erblicke ich den bolivianischen Grenzposten vor mir. Kein Verkehr, keine Menschen zu sehen. Aber der Schlagbaum ist oben!!! Ich reduziere die Geschwindigkeit um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Kurz vor erreichen des Schlagbaum sehe ich die Grenzer und ein paar Bauarbeiter vor dem Gebäude im Schatten sitzen. Der Grenzer steht auf, ich gebe Vollgas und passiere die Grenze. Direkt nach der Grenze wird aus der Sandpiste eine gut asphaltierte Straße und am Straßenrand steht das Schild das ich mir so herbeigesehnt habe:

Bienvenido a Chile

Nach ein paar Kilometern erreiche ich den chilenischen Grenzposten. Die Tore sind verschlossen, doch kurz bevor ich am Gebäude bin öffnet sich das Rolltor und ein Zöllner begrüsst ich freundlich „Buenos dias, bienvenido a Chile!“

Grenzposten Chile, aus Blickrichtung Chile

Ich fülle schnell das Zolldokument aus und übergebe es dem Zöllner. Kurz werde ich nochmal nervös als er ewig an seinem PC rumklickt. Hat mein „Freund“ von der Aduana in Ollague vielleicht die Kollegen in Chile informiert? Ist mein Motorrad zur Fahndung ausgeschrieben? Es stellt sich aber schnell heraus, dass er nur den Drucker nicht findet. Nachdem er endlich meinen Einreisedokumete ausdrucken konnte geht alles ganz schnell und ich verlasse den Grenzposten in Richtung San Pedro de Atacama, wo ich jetzt bei einem guten Cerveza und einem saftigen Steak glücklich und zufrieden diese Zeilen verfasse.

Er kann also weitergehen, der Motorcycleroadtrip !!!

Allerdings hat diese Geschichte auch etwas trauriges, ich werde wohl nie wieder nach Bolivien reisen können. Meine Freunde in Bolivien nie wieder besuchen können. Ich hoffe trotzdem das wir uns irgendwann wiedersehen, vielleicht in Deutschland?

6 Kommentare zu „Flucht aus Bolivien – Ein Abenteuer auf zwei Rädern

Gib deinen ab

  1. Super Geschichte ! Spannend wie ein Krimi ! Das hast du prima gemacht, weiter so ! Ich hätte es vermutlich gleich getan ! Schließlich wissen wir beide, wie die Typen (Beamten) ticken ! Schade, mir fehlen hier die Smilies ! Gruß Gerd

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  2. Spannend wie ein Thriller! Genial, wie du es geschafft hast Respekt. Mir hätten wahrscheinlich die Nerven dazu gefehlt. Ein Abenteuer, das du dein Leben nicht vergisst!
    Jetzt genieße Chile, und hab eine gute Reise! Wie sind deine weiteren Pläne?

    Gefällt 1 Person

    1. Ja das werde ich sicherlich nie vergessen. Sitze jetzt in San Pedro de Atacama. Wollte eigentlich nach norden, Peru. Aber da hat die Regenzeit eingesetzt und in Patagonien ist Traumwetter. Heute mal Ruhetag und überlegen wie es weitergeht.

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  3. Sehr fesselnd geschrieben und die kritischen Situationen mit den Grenzern waren nicht ohne. Unterm Strich hast du intuitiv die richtigen Entscheidungen getroffen. Weiterhin viel Glück, gute Fahrt und ich freue mich auf weitere Berichte!

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  4. Respekt! Toll, dass Du uns an Deinem Erlebnis so teilhaben lässt.
    Ich bin illegal von Peru nach Bolivien gefahren. Bei der Rückfahrt nach Peru waren dann plötzlich doch Zöllner. War auch spannend.

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