Grob verschätzt

Nach meiner aufregenden „Ausreise“ aus Bolivien habe ich erst einmal zwei Tage in San Pedro de Atacama entspannt. Offensichtlich zu sehr entspannt.

Salta in Argentinien sollte das Ziel sein. Leider muss ich eingestehen, dass ich die Fahrt dorthin schlecht bis garnicht geplant hatte und das Ergebnis entsprechend ausgefallen ist.

Passo Sico kurz vorm Grenzübergang nach Argentinien

Aufgrund von starkem Wind und der Tatsache, dass von den 210km bis zum Passo Sico, auf welchem sich der Grenzübergang zu Argentinien befindet, ca. 150km über 4000m Höhe lagen, war mein Benzinverbrauch um ein vielfaches Höher als angenommen. Leider gab es am Grenzübergang kein Benzin zu kaufen. Laut der sehr freundlichen Zollbeamten soll es aber Benzin in einem kleinen, ca. 15km entfernten Bergdorf geben. Also nichts wie hin. Mit Grenzübertritt wechselte der Straßenbelag von feinstem Asphalt zu Tiefsand und das Wetter von heiter bis wolkig hin zu einem aufziehenden Gewitter.

Piedras Rojas
Piedras Rojas

Leider gab es in dem Bergdorf kein Benzin, dafür nur einen sehr unangenehmen Zeitgenossen, total betrunken und mit Drogen zugedröhnt, frage er mich schon nach wenigen Sätzen was mein Motorrad wert sei. Alles in allem Umstände, die bei mir alle Alarmglocken angehen ließen. So bin ich ohne Benzin wieder abgefahren. Ein kurzer Blick auf die Karte machte meine Optionen klar. Irgendwo in der argentinischen Pampa in einem Gewitter mit leerem Tank liegen bleiben oder aber zurück zu Grenze und dort mit ca. 100km Restreichweite stehen und die Option haben bei anderen Reisenden Benzin kaufen zu können.

Laguna Tuyajto

Die Entscheidung war schnell getroffen und so ging es zurück zur Grenze. Wie der Teufel es will kamen dort aber nur Selbstzünder vorbei. Die überaus freundlichen Zöllner boten mir an, dass ich in ihrer Dienststelle nächtigen könne und mir einer von ihnen zum nächsten Dienst 10 Liter mitbringt.

Nachdem ich aber genau überschlagen hatte wie viel Benzin ich auf dem Hinweg gebraucht hatte, war auch klar, dass sich auf dem Rückweg deutlich weniger brauchen werde, da das Ziel dieses mal fast 2000hm tiefer liegt. Sicher war, ich komme bis zur ersten Ortschaft in Chile und dort gibt es ein gutes Mobilfunknetz und mit etwas Glück auch Benzin. Mit zahmer Gashand würde ich es sogar bis zur Tankstelle in San Pedro schaffen. Also nichts wie los….

Wie der Zufall es will herrschte an einem auf dem Hinweg noch verlassen erscheinenden Polizeiposten nun reges Treiben. Ein noch größer Zufall war es wohl, dass die Carabineros gerade dabei waren ihren Treibstoffvorrat aufzufüllen. Nach ein paar Minuten Smaltalk und Austausch von Patches wurde mein Motorrad auf Staatskosten vollgetankt und der Kradfahrer der Carabineros bekam eine Probfahrt mit meiner Africa Twin.

Freund und Helfer in der (Benzin-)Not
Wer den Sprit bezahlt darf auch fahren!
Ein Erinnerungsfoto gehört natürlich für beide Seiten dazu

Dieses tolle Erlebnis und die Tatsache das die einmalige Landschaft am Passo Sico kurz vor Sonnenuntergang nochmals deutlich spektakulärer wirkte, geben dem Tag (mal wieder) das Prädikat: Alles richtig gemacht!

Unglaubliche Farbenpracht entlang der Ruta 23, Passo Sico

3 Kommentare zu „Grob verschätzt

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: