Alles oder Nichts, Argentinien

Chaiten, Patagonien, 4°C, extrem starker Dauerregen und der für Patagonien typische extreme Wind. Motorrad fahren, kann man, muss man aber nicht. Fotografieren, kann man, bringt aber nichts. Trotzdem entscheide ich mich nach auch am zweiten Tag morgens weiter auf der Carretera Austral in Richtung Süden zu fahren. Als ich nach ca. 60 von 200km die ich an dem Tag fahren will, trotz Regenkombi schon nass und total durchgefroren bin treffe ich die Entscheidung die Tour an dieser Stelle abzubrechen und zurück in Richtung Santiago zu fahren um dort noch etwas Urlaub bei sommerlichen 30°C zu machen. Zum Glück erwische ich noch am gleichen Tag eine Fähre die mich direkt von Chaiten nach Puerto Montt bringt und mir einen Tag Fahrt durch dieses Dreckswetter erspart.

Auf der kleinen kurvigen Straße hinauf zum Volcano Osorno

Am nächsten Tag geht es weiter auf der Ruta 5 Richtung Norden, Richtung Santiago. In Puerto Varas zeigt sich kurz die Sonne und ich kann nicht widerstehen von der Ruta 5 abzubiegen um den Lago Llanquihue zu umrunden. Auch wenn es immer wieder kurz regnet macht es Spaß auf der kurvigen und perfekt asphaltierten Straße zu fahren. Da die Temperaturen hier „oben“ 10-15°C über denen der vergangen Tage liegen ist es auch nicht so tragisch wenn es hin und wieder regnet und so fahre ich noch die V-555 hinauf in Richtung Volcano Osorno und unternehme kurz darauf einen kleine Wanderung zu einem überraschend schönen Wasserfall. Am End des Tages ist die Reiselust wieder voll da und ich suche nach alternativen Routen in Richtung Norden die ich noch nicht kenne. Schnell ist klar, es gibt nicht mehr viel,….. außer ich fahre rüber nach Argentinien.

Diese kurze Wanderung war eine tolle Abwechslung zum Motorrad fahren. Und das beste, es waren nur eine paar wenige Touristen dort.

Wäre da nicht die Ungewissheit ob mein „Freund“ vom bolivianischen Zoll nicht meine Motorrad und vielleicht auch meine Personalien an die chilenischen oder argentinischen Behörden gemeldet oder gar mein Motorrad zur Fahndung ausgeschrieben hat. Aus diesem Grund wollte ich eigentlich keine Grenze mehr überschreiten. Aus dem gleichen Grund der mich aber auch dazu bewegt hat trotz aller Risiken mir mein Motorrad zu schnappen vor dem bolvianischen Zoll abzuhauen habe ich mich aber trotzdem dazu entschieden Richtung Argentinien aufzubrechen.

Diese Tour ist mein großer Traum, weder lasse ich mir diesen von einem korrupten Zöllner noch von der Angst vor weitern Problemen mit dem Zoll zunichte machen.

Ruta 40 Richtung Bariloche

Also schnell noch ein paar argentinische Peso gewechselt und dann auf dem direkten Weg zu Grenze. Die Ausreise aus Chile erfolgt schnell und unkompliziert, hier wird auch nur gestempelt und zumindest in meinem Beisein werden keine Daten von mir in einem PC erfasst. 40km geht es durch das Niemandsland bevor ich den Grenzposten Argentiniens erreiche. Vor mir stehen am Grenzübergang zwei weitere Africa Twins mit US-amerikanischen Kennzeichen. Also endlich mal keine Mietbikes sondern richtige Reisende. Auch die Einreise nach Argentinien erfolgt zum Glück ohne Probleme. Später werden mir die Amerikaner sagen, dass ich auf sie sichtlich angespannt gewirkt habe. Obwohl sie bereits ihre Einreisedokumente haben warten die beiden Amerikaner auf mich, sie wollen wissen wer ich bin, woher ich komme, wohin ich fahre. Die Beiden sind von Californien bis hier runter nach Patagonien gefahren und haben jede Menge tolle Geschichten erlebt. Nach einem kurzen Gespräch bieten sie mir an zusammen zu unserem gemeinsamen Ziel, Bariloche, zu fahren. Es folgt die bisher schönste Motorradstrecke in Südamerika. Kurven, Kurven und noch mehr Kurven, dazu gibt es Bergpanorama vom feinsten, blauen Himmel und angenehm warme Temperaturen.

Die Fahrt nach Bariloche zeigt, dass wir gut zusammen harmonieren und so checken wir im gleichen Hotel ein, verbringen einen Ruhetag in Bariloche zusammen mit dem wohl weltbesten Steak (wahrscheinlich ist dieses Steak der hauptsächliche Grund warum aus einer geplanten Übernachtung drei wurden), unternehmen gemeinsam eine 430km lange Ausfahrt durch die Seenlandschaft nördlich von Osorno und fahren auch gemeinsam weiter auf der Ruta 40 in Richtung Süden nach Esquel. Da die Ruta 40 ab hier fern ab der Berge verläuft und nicht so reizvoll sein soll überqueren wir gemeinsam über eine kleine Schotterstraße die Anden zurück nach Chile. Kurz vorm Grenzübergang sehe ich vor mir plötzlich eine Africa Twin. Als ich näher komme erkenne ich , dass ein deutsches Kennzeichen an dem Motorrad angebracht ist. Ich gebe dem Fahrer ein Handzeichen, fahre kurz vor ihn, dass er mein deutsches Kennzeichen sieht, dann halten wir beide an. Zu meinem großen Erstaunen spricht mich der Fahre bei meinem Namen an, er kennt meinen Blog und hat mich und meine doch recht auffällige Africa Twin direkt erkannt. Nach einem schmerzhaften Sturz möchte es Elmar, der Fahrer der Africa Twin, lieber etwas langsamer auf dem Schotter angehen und so verabreden wir uns auf ein Bier in Puyuhuapi, was unser aller Ziel an dem Tag ist. Aus dem Bier wurde ein erstklassiger Rotwein und ein gutes Essen. Auch wenn Elmar weiter allein fährt so werden uns unsere Wege die nächsten Tag sicherlich noch öfter kreuzen, da wir alle die gleiche Rute fahren wollen.

Ruta 40 Bariloche Richtung Esquel
Ruta 40 kurz vor Esquel
Kurz vor der Grenze zu Chile beginnt es wieder zu regnen
An der Grenze treffen wir auf Elmar, er ist schon seit 2 Monaten mit seiner Africa Twin in Südamerika unterwegs.
Vom Grenzübergang bis zur Ruta 7, der Carettera Austral, galt es knapp 70km „Gravel Road“ zu meistern.
Auch im Regen ist die Landschaft so beeindruckend, dass ich anhalte um Fotos zu machen
Freddy mag keine Gravel Roads, aber mit 75 muss man die auch nicht mehr mögen
Eine so schöne Stelle am Straßenrand, dass Ed, der sonst nie Fotos macht, anhält um zu fotografieren.
Ein großer Vorteil vom Reisen in der Gruppe, es gibt auch mal Fotos von mir !
Die Ruta 40 ist mehr als eine Straße, sie ist eine Sehenswürdigkeit
Unberührte Natur so weit das Auge schauen kann
Andenpanorama
Das nenne ich mal Steinschlag
Um es mit Ed s Worten zu sagen: „Damn hard, this Adventure life“

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