Die unsichtbare Sehenswürdigkeit

Noch immer bin ich mit Ed und Freddy, den beiden Amerikanern, unterwegs. Wir harmonieren als Gruppe beim Fahren und beim abendlichen Bier hervorragend. Und so ging es nach einem Tag Zwangspause, ein Erdrutsch hat die Carretera Austral versperrt, gemeinsam weiter in Richtung Süden bis nach Chile Chico.

Eigentlich stand hier die Besichtigung der Marvel Caves auf dem Plan, da dies aber einen 300km Umweg über Schotterstraßen bedeutet hätte und unsere Reifen schon deutlich mehr verschlissen sind, wie sie an diesem Punkt der Reise sein dürften, haben wir diesen Programmpunkt gestrichen. Und so ging es am folgenden Tag wieder über die Grenze nach Argentinien und dann von Perito Moreno auf der Ruta 40 nach Süden.

Urige Tankstelle in Puyuhapi an der Carretera Austral
Carretera Austral zwischen Puyuhapi und Chile Chico
Frühling in Patagonien
Auf dem Weg nach Chile Chico schließt sich uns Elmar, ein deutscher Africa Twin Fahrer, an

Unter Reisenden auf der Ruta 40 ist diese „Sehenswürdigkeit“ berühmt berüchtigt. Insbesondere Fahrrad- und Motorradfahrer fürchten sie.

Die Rede ist von den patagonischen Winden, die einem insbesondere auf den Teilstücken der Ruta 40 das Leben schwer machen die fern ab der Berge verlaufen. Windböen von bis zu 140kmh können hier auftreten. Und so fahren wir auch schon kurz hinter Pertio Moreno auf einer langen geraden das erste mal in Schräglage um den heftigen Seitenwind auszugleichen. Obwohl die Wüste sich hier von ihrer schönsten Seite zeigt mit intensiven Farben und abwechslungsreicher Landschaft geht einem der Wind nach kurzer Zeit schon gehörig auf die Nerven. Das permanente Dröhnen im Helm und das permanente Ausgleichen der Winde gehen auf die Nackenmuskulatur. Daher halten wir jede Stunde einmal kurz an, setzen den Helm ab und entspannen kurz den Nacken. Aber diese Pausen sind alles andere als erholsam, muss man sich doch schon fast anbrüllen um sich gegenseitig bei diesem Wind zu verstehen. So sind wir froh nach knapp über 300km ein kleines Cafe am Straßenrand zu erblicken. Die unzähligen Aufkleber an der Tür lassen erahnen, dass nicht nur wir froh sind dort für kurze Zeit dem Wind zu entgehen und so klebt jetzt auch ein Motorcycleroadtrip Aufkleber an der Typ. Ab dem Lago Cardiel, sagt er uns, ist die Ruta 40 nur noch eine Schotterpiste. Wir sollen uns genau überlegen ob wir so spät am Tag noch auf dieses Teilstück gehen. Nachmittags ist der Wind wohl am stärksten und es werden immer wieder Motorradfahrer von der Piste geweht. Wir müssen trotzdem weiter, da unser Sprit nicht langt um bis Perito Moreno zurück zu kommen und die nächste Tankstelle nur eine Stunde vor uns liegt.

Aufgrund des Windes ist der Spritverbrauch enorm und liegt, obwohl wir in der Spitze nur ca. 100kmh fahren bei weit über 6 Litern im Schnitt. Wir schaffen es nicht mit einer Tankfüllung bis zur Tankstelle in Gobernator Gregores. Zum zweiten Mal auf dieser Reise muss ich meinen Reservekanister benutzen und so ist es kein Problem die Tankstelle doch noch zu erreichen.

An der Tankstelle treffen wir einen argentinischen Motorradfahrer der uns berichtet, dass er vor ein paar Stunden auf der Schotterpiste von einer Windböe erfasst und von der Piste geweht wurde. Sein Motorrad habe sich mehrfach überschlagen, ihm sei aber zum Glück nichts passiert. Mittlerweile ist es schon nach 16 Uhr, bis nach El Chalten, unserem Tagesziel, sind es noch 300km und es kommen Zweifel auf ob wir diese Piste noch angehen sollen. Wir entscheiden bis zur Piste zu fahren um uns selbst ein Bild vom Zustand der Piste und den Winden zu machen. Und wie so oft im Leben, alles nur halb so schlimm. Ich werde zwar zwei mal vom Wind von einer Fahrspur durch den tieferen Schotter in die nächste gedrückt und muss stark abbremsen aber insgesamt war die Piste sehr leicht zu befahren.

Letzter Tankstopp in Tres Lagos
MC Höllenhunde Hupperath und Motorcycleraodtrip waren hier

Nach über zwölf Stunden erreichen wir bei bestem Licht den Parque Nacional Los Glaciares und werden mit einem einmaligen Panorama belohnt.

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