Mitas E07+ – ein Fazit

Reifen, das wohl subjektivste Thema unter Motorradfahrern. Daher möchte ich auch nicht von einem Reifentest sprechen sondern nur ein persönliches Fazit ziehen und es mit euch teilen.

Warum habe ich mich entschieden mein Motorrad mit dem Mitas E07+ (den normalen, nicht den Dakar) für Südamerika zu besohlen, obwohl ich mit dem Heidenau K60 Scout, den ich bis dato immer auf der Africa Twin und auch vorher auf der R1200GS gefahren bin, sehr zufrieden war?

Ganz einfach, der Mitas E07+ hat keinen Mittelsteg am Hinterreifen und verspricht somit deutlich bessere Traktion im Gelände. Zudem wird dem Reifen eine hohe Laufleistung nachgesagt.

On-Road:

Aber zunächst einmal zu meinem persönlichen Eindruck auf Asphalt. Hier ist der Reifen absolut vergleichbar mit dem K60 Scout von Heidenau. Ich würde dem Mitas sogar noch etwas mehr Grip attestieren als dem Heidenau, insbesondere hinten. Den Vorderreifen fahre ich auf der Straße mit 2,2 Bar, weniger quittiert er mit sehr schlechtem Einlenkverhalten und einem schwammigen Gefühl in Schräglage und beim bremsen, das kann der Scout besser. Eventuell wäre hier die Dakar Version die bessere Wahl, da diese einen steiferen Aufbau haben. Den Hinterreifen fahre ich mit 2,5, beladen mit 2,6 Bar. Der Hinterreifen verhält sich in allen Lebenslagen unauffällig. Beim herausbeschleunigen aus der Schräglage fängt er langsam und gut kontrollierbar an zu schmieren. Mit dem Mitas sind stattliche Schräglagen möglich, die Kurvengeschwindigkeit muss jedoch im Vergleich zu einem reinen Straßenreifen deutlich geringer gewählt werden und es benötigt etwas mehr Kraft zum Einlenken, was aber normal ist für einen Reifen dieser Kategorie. Aber keine Angst, der Fahrspaß kommt nicht zu kurz.

Wird es nass bleibt der Reifen berechenbar, keine Rutscher die mich überrascht haben, so wie es die Serienbereifung der AT gerne tut. Der Mitas ist auch im Nassen ein Reifen dem man schnell Vertrauen schenkt. Auch hier, es ist ein grobstolliger Reifen und entsprechende Vorsicht auf nasser Fahrbahn ist angebracht.

Off-Road:

Die Paradedisziplin des Mitas E07+. Durch den fehlenden Mittelsteg hat man im Vergleich zu dem Heidenau K60 Scout deutlich mehr Traktion im Gelände. Gefahren bin ich ihn mit 1,8-1,9 vorne und 2,2-2,3 hinten wenn längere Offraodpassagen angestanden haben. Anfahren auf Schotter oder sogar im tiefen Sand war nie ein Problem mit dem Mitas. Auf der regennassen Carretra Austral verzahnte er sich so zuverlässig mit weichen Boden, dass ich fast den Eindruck hatte auf Asphalt unterwegs zu sein. Die offroad wichtige Seitenführung am Vorderrad ist erstaunlich gut. Hier zeigt sich aber wie wichtig es sich den richtigen Luftdruck zu wählen, die 1,9 Bar die im Gelände super funktionieren führen auf Asphalt zu den oben beschrieben schlechten Fahreigenschaften. Es lohnt sich also durchaus ab und zu mal den Mini-Kompressor auszupacken.

Laufleistung:

Jetzt zum wichtigesten Thema für Fernreisende, die Laufleistung. Bei mir waren es jeweils ca. 8000km und kommt somit nicht ganz an die Laufleistung die ich bis jetzt mit dem K60 erzielt habe, hier fehlt mir aber der Vergleich mit dem Scout auf einer solcher Fernreise mit so hohem Offroadanteil. Dabei ist zu erwähnen, dass ich gerade am Anfang meiner Reise auf der Panamericana in Chile, die einer deutschen Autobahn in nichts nachsteht, auch öfter längere Strecken mit 150-160kmh gefahren bin und das bei teils hohen Temperaturen. Hier zeigt zeigt sich der Mitas nicht so Widerstandsfähig wie der Scout, was ich auf den fehlenden Mittelsteg zurückführe und die Profiltiefe verringert sich bei einer solchen Fahrweise schnell. Bleibt man in einem vernünftigen Reisetempo von maximal 120kmh sollten Laufleistungen von 12.000km kein Problem sein.

Auch hat der Offroadanteil und insbesondere die Beschaffenheit des Bodens ein starken Einfluss auf den Verschleiß. So hatte ich das Gefühl, dass die sandigen Pisten in der Atacama und auf dem Altiplano sich fast schon positiv auf den Verschleiß auswirken, während der scharfkantige Schotter in Patagonien das Profil nur so gefressen hat. Auch hier hat die persönliche Fahrweise einen großen Einfluss auf die Lebensdauer, ich ziehe es vor im Gelände die Traktionskontrolle auf die niedrigste Stufe oder ganz au zu schalten. Dies führt natürlich zu viel Schlupf und entsprechend hohem Verschleiß.

Insgesamt würde ich meinen Fahrstil reifenschonend bezeichnen, dafür sind die erzielten 8000km ein gutes Ergebnis. Zudem ist zu erwähnen, dass mit den ersten Reifensatz noch mindestens 2000km gegangen wären. Der Reifenwechsel erfolgte nur weil ich wusste, dass Reifen in Patagonien schwer zu bekommen und wenn dann sehr teuer sind. Der zweite Satz, den ich in Patagonien gefahren habe war jedoch nach knapp 8000km wirklich komplett fertig und ich musste unplanmäßig sogar noch einen dritten Satz kaufen.

Die Sägezahnbildung hielt sich in Grenzen. Vorne führt zunehmendes Sägezahnprofil dazu, dass höhere Lenkkräfte nötig sind. Hinten fällt der Sägezahn im Vergleich zum Scout bei mir deutlich geringer aus und ist kaum zu spüren.

Die Bilder zeigen den dritten Satz, den ich in Chile gekauft habe und jetzt ca. 6000km drauf haben.

FAZIT:

Für Fernreisen mit hohem Offroadanteil ist der Mitas E07+ in meinen Augen die beste Wahl. Auf der Straße bietet er ausreichend Grip um viel Fahrspaß unterwegs zu sein und gibt jederzeit gute Rückmeldung. Offroad hat er mich voll und ganz überzeugt. Klar es geht noch deutlich besser, aber diese Reifen sind dann auf der Straße extrem schlecht. Die Laufleistung ist groß genug um in so gut wie jedem Land der Erde bis zum nächsten Reifenhändler zu kommen.

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