Über die Lagunenroute nach Uyuni

Bolivien, 14.-16.08.18

Nach zwei Tagen Vorbereitung ging es früh morgens am 14.08.18 los, von San Pedro de Atacama über die Ruta 27 hinauf zu dem auf ca. 4500m hoch gelegenen Grenzübergang zu Bolivien. Schon auf der Anfahrt war klar, die Wettervorhersage stimmt nicht. In der Nacht waren es wieder bis zu -15°C auf der Lagunenroute und schon die Anfahrt zum Grenzübergang bei -1°C zeigten, dass die nächsten Tage frostig werden sollten.

Fand die Ausreise aus Chile noch in einer modernen Abfertigungshalle statt, zeigte sich spätestens bei der Einreise nach Bolivien, dass zwischen beiden Ländern Welten liegen. Der Grenzposten ist ein kleiner einfacher, unbeheizter Bau, der unbefestigte Platz davor von den unzähligen 4×4 Fahrzeugen komplett zerfahren, teils ca. 30cm tiefe, gefrorene Spurrillen, dazwischen immer wieder Eisplatten. Das kann ja lustig werden, wenn der Parkplatz vor dem Grenzposten schon zur Herausforderung wird.
Grenzposten Bolivien:
Bolivien, Lagunenroute

Die Einreise nach Bolivien erfolgt ebenso schnell und problemlos wie zuvor die Ausreise aus Chile, kurz ein Formular ausfüllen mit Personalien, Reisegrund und Transportmittel, dann gab es den Stempel und ich konnte starten. Erstes Ziel, der Zoll, der, warum auch immer, nicht am Grenzübergang sondern irgendwo in der Wüste ist. 8km sollen es sein, so der Grenzbeamte, der mir die Lage des Zollposten  auf einer kleinen Karte noch markiert hat. Gleiche Info erhalte ich nochmals an der Einfahrt zum National Park, wo ich für 150 Bolivianos ein Ticket für die Lagunenroute löse.

Bolivien, Lagunenroute

Ich starte auf die Lagunenroute, nach wenigen Kilometern erreiche ich die Laguna Blanca, halte an, fotografiere, will gar nicht weiter fahren so beeindruckend ist die Kulisse aus grün schimmerndem Wasser, Sand in diversen Farben und schneebedeckten Bergen. Aber ich muss weiter, für die Laguna Verde bleibt keine Zeit, ich weiß nicht was mich beim Zoll erwartet, wie lang wird es dauern, muss ich mein ganzes Gepäck öffnen?

Nach 15km werde ich langsam nervös, noch kein Zoll in Sicht. Ich halte einen der vielen alten Toyota Landcruiser an, der Touristen über die Lagunenroute schaukelt. „Zoll, ja da musst du zurück da bist du schon lange vorbei“, so der sinngemäße Inhalt des Gesprächs welches mit Händen, Füßen und Übersetzungs App geführt wurde. Ich drehe also und fahre zurück bis zur Einfahrt zum National Park und erkundige mich nochmals nach der „Aduana“. Nein keine 8km, 18km sollen es jetzt plötzlich sein. Schnell kaufe ich noch 3 Liter Benzin von einem Geländewagenfahrer und fahre wieder Richtung Norden. Nach knapp 50km auf teils anspruchsvollen, sandigen Pisten erreiche ich, nein nicht den Zoll, die Termas de Polques. Zu meiner Überraschung gibt es hier ein kleines und einfaches Hostel. Ich entschließe die Einfuhr des Motorrades auf den nächsten Tag zu verschieben und miete mich für 60 Bolivianos (knapp 8€) inkl. Abendessen und Frühstück im Hostel ein, bring mein Gepäck ins Zimmer, ziehe die Badehose an und gehe in das 30°C warme Thermalbecken welches aus eine heißen, vulkanischen Quelle gespeist wird. Zum Glück ist es schon spät und so hab ich das Becken fast für mich alleine.
Bolivien, Lagunenroute

Mein Zimmer teile ich an diesem Tag mit zwei bolivianischen Guides, von denen ich gute Informationen erhalte, unter anderem, dass es mittlerweile aufgrund der Vielzahl von Touristen strengstens verboten ist die Wege zu verlassen.  Aus spektakulären Fotos aus der nahegelegenen Salvador Dali Wüste wird somit also nichts.
Weg zur Salvadore Dali Wüste (siehe auf 12 Uhr)
Bolivien, Lagunenroute
Aber immerhin können die Guides mir relativ genau erklären wo der Zoll tatsächlich ist, nämlich nochmals ca. eine 4×4 Stunde entfernt, entspricht ungefähr zwei Motorradstunden.

Die Temperaturen sinken in der Nacht wieder weit in den negativen, zweistelligen Bereich. Selbst im Zimmer des unisolierten Gebäudes, dessen Türe immer offen steht, sinken die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt. Nur diesen Temperaturen ist es zu verdanken, dass es nicht schlimm ist, dass man sein Toilettenpapier nicht in die Toilette werfen darf sondern in einen extra dafür bereitgestellten „Papierkorb“. Das Wasser zum abspülen stammt aus einem vor der Toilette stehenden Wasserfass.
Minusgrade im Hostel:
Bolivien, Lagunenroute
Motorrad vor dem Hostel:
Bolivien, Lagunenroute

Bevor ich am nächsten Morgen starte springe ich noch einmal für eine halbe Stunde in das Thermalbad und warte dort darauf das die Temperaturen in den positiven Bereich geklettert sind.

Exakt wie von den Guides beschrieben finde ich nun auch endlich den auf knapp über 5000m gelegenen Zoll, welcher damit die höchste Zollabfertigung der Welt ist. Wie erwartet findet der Zollbeamte es nicht lustig, dass ich erst einen Tag nach meiner Einreise vorstellig werde. Er grummelt irgendwas auf Spanisch vor sich hin, vergleicht kurz die Fahrgestellnummer mit der in meinem Fahrzeugschein und stellt mir dann die Einfuhrbescheinigung aus, 60 Tage darf mein Motorrad nun legal in Bolivien bleiben, immerhin 30 Tage länger wie ich.
Höchster Punkte meiner Reise:
Bolivien, Lagunenroute
Zollabfertigung Bolivien auf über 5000m
Bolivien, Lagunenroute

Auf geht´s zur Laguna Colorada, der aufgrund ihrer roten Farbe wohl beeindruckensten aller Lagunen. Nach Karte dürfte es nicht weit sein, nur ist der eigentliche Weg noch durch Schnee versperrt. Irgendeinen Weg muss es geben, also stelle ich mich taktisch günstig auf einen Anhöhe und warte auf den nächsten 4x4er. Es dauert nicht lange und ein Land Cruiser kommt seines Weges, ich folge ihm, doch verliere ihn im hohen Sand nach kurzer Zeit aus den Augen. Die nächsten Kilometer schlage ich ich mich alleine durch, finde irgendwie immer wieder den richtigen Weg. Plötzlich führt der Weg steil bergan, rechts und links je ca. 1m Schnee, die Fahrspur teils vereist, große Steine und mitten drin ein ca. 30cm hoher Absatz. Ich steige ab, begehe die Engstelle, will gerade fotografieren, als plötzlich der nächste Geländewagen von hinten kommt. Ich nutze die Gunst der Stunde, sprinte zurück zu meinem Motorrad, springe drauf, starte, deaktiviere die Tranktionskontrolle und fahre vollgas in die Engstelle, denn ich weiß, schaffe ich es jetzt nicht, blockiere ich den einzigen Weg und habe gezwungenermaßen mehrere Helfer die mich aus meiner dann misslichen Lage befreien. Das Hinterrad tänzelt kurz nach rechts und links, dann habe ich wieder Tranktion und schaffe es tatsächlich auf Anhieb dies wohl schwierigste Passage die ich je mit dem Motorrad gefahren bin zu bezwingen. Oben halte ich an, jubel vor Freude, dann sehe ich was vor mir liegt, ein Geröllfeld so weit das Auge reicht. Ein Weg ist nicht zu erkennen. Dann passiert mich der Geländewagen, der Fahrer zollt mir Respekt und zeigt mit dem Daumen nach oben. In dem Moment wird mir klar, dass meine einzige Chance den richtigen Weg zu finden darin besteht den Geländewagen nicht aus den Augen zu verlieren. Was folgt ist eine waghalsige Fahrt durch das Geröllfeld, später wird es sandig. Immer wieder Vollgas, Fußbremse, Vollgas, Fußbremse. Erst als ich die Laguna Colorada in Sichtweite habe lasse ich den Geländewagen ziehen, setze mich an den Wegesrand, trinke eine Cola und genieße den Ausblick.
Laguna Colorada:
Bolivien, Lagunenroute

An der Laguna Colorada gibt es wieder ein kleines Hostel, ich miete mich ein, entledige mich dem Gepäck und fahre mit dem Motorrad entlang der Lagune um zu fotografieren. Es ist der beeindruckenste und schönste Ort den ich je gesehen habe und so bleibe ich bis es dunkel wird.
Hostel an der Laguna Colorada
Bolivien, Lagunenroute

Im Hostel treffe ich eine Gruppe Backpacker die mit einem der Geländewagen eine Tour gebucht haben. Wir verstehen und prima, essen zusamen, trinken zwei Flaschen Wein und haben jede Menge Spaß.
Bolivien, Lagunenroute

Die Nacht ist wieder kalt, ich schlafe schlecht und es treibt mich früh aus dem Bett, checke kurz das Motorrad und fahre los. Der Weg zum Hostel führte mich am Vortag durch einen kleinen Fluss, dieser ist jetzt zugefroren und ich muss mir einen anderen Weg suchen, verfahre mich aber und gerate in tiefen Sand, stürze, komme aber wieder auf und finde irgendwann den richtigen Weg. Kurze Zeit später verfahre ich mich erneut, gerate wieder in tiefen Sand. Das Motorrad kippt mir um. Dieses mal ist der Sand so weich und tief, dass ich erst das ganze Gepäck abschnallen muss um das schwere Motorrad wieder aufrichten zu können. Auf 4600m Höhe eine kräftezehrender Akt. Schließlich finde ich den richtigen Weg, aber auch dieser ist meist sehr sandig und ich entscheide es sehr langsam angehen zu lassen um nicht erneut zu stürzen. Da sich mein Benzin langsam dem Ende neigt fahre ich in Richtung Villa Mar, ein Kaff mitten in der Wüste, hier soll es Benzin geben. Tatsächlich ich bekomme 5 Liter und das zu einem sehr fairen Preis. Die weitere Strecke Richtung Alota, Richtung Zivilisation, wird immer brutaler. War die Strecke bis jetzt immer gut kalkulierbar ist sie es jetzt nicht mehr, gut befahrbare Sandpiste wechselt von einem auf den anderen Meter in 30cm tiefen, sehr weichen Sand wie man ihn sich für einen schönen Badurlaub besser nicht wünschen kann. Die Hölle für ein Motorrad von weit über 300kg. Die dünne Luft, die körperliche Anstrengung und die permanente 110%ige Aufmerksamkeit gehen langsam an die Substanz, ich komme an meine Grenzen. Mit Fahrspaß wie die Tage zuvor hat das nichts mehr zu tun. Plötzlich überholt mich ein Geländewage, bremst neben mir, darin zwei der Backpacker vom Vortag, sie jubel mir zu, wir halten an, er springt raus begrüßt mich, macht Fotos und von nun an folgen sie mir mit dem Geländewagen. Zu Wissen jemanden bei mir zu haben baut mich auf und die letzten 20km Sandpiste bis Alota gehen plötzlich wie von alleine. In Alota trennen sich unserer Wege, ich halte trinke ein Cola, schaue mich um und verwerfe meinen ursprünglichen Plan in Alota zu nächtigen. Dieses selbst für boliviansiche Verhältnisse gottverlassene Kaff mitten im Nirgendwo soll nicht die Endstation dieses unvergesslichen Tages sein und so fahre ich nochmal eine Stunde weiter bis San Cristobal.

Zwei Cerveza und zwei „Döner“ bolivianischer Art später falle ich glücklich und zufrieden ins Bett eines kleinen aber feinen Provinzhotels und bemerke, dass der „worst case“ eingetreten ist. Meine externe Festplatte auf der ich alle Bilder gespeichert habe ist kaputt. Alle Fotos die ich noch nicht auf den heimischen Server übertragen konnte sind dahin, auch die der Lagunenroute und so seht ihr hier nur ein paar Schnappschüsse die ich unterwegs mit dem Handy gemacht habe.

Es bleibt mir also nichts weiteres übrig als auf dem Rückweg nach Valparaiso noch einmal diesen Kraftakt auf mich zu nehmen.

Mittlerweile bin ich in Uyuni ankommen, habe mir ein gutes Hotel gegönnt und erhole mich von den vergangen Tagen bevor ich einen Ausflug auf den bis dahin hoffentlich trockenen Salar de Uyuni unternehmen werde.
Hotel Uyuni:
Bolivien, Lagunenroute

Kilometerstand: 44400

Kilometer seit Abfahrt in San Pedro: 484

Gesamtkilometer: 3163

 

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